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Barrierefreie Websites für Kommunen: Was Städte und Gemeinden nach BITV 2.0 beachten müssen

von Armin Zimmer | 11. September 2026 | Kommunen & Recht

Websites von Städten, Gemeinden und Verbandsgemeinden müssen barrierefrei sein. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Was genau verlangt wird, was „barrierefrei“ im Alltag bedeutet und wie man am besten vorgeht, erklären wir hier verständlich.

Was „barrierefrei“ bedeutet

Barrierefrei heißt: Eine Website lässt sich von allen Menschen nutzen, auch von Menschen mit Einschränkungen. Zum Beispiel von jemandem, der blind ist und sich die Seite von einem Programm vorlesen lässt. Von jemandem, der wegen einer Lähmung keine Maus bedienen kann. Oder von älteren Menschen, die kleine, blasse Schrift nur schwer lesen können.

Gerade Rathäuser bieten Informationen an, auf die alle Bürgerinnen und Bürger angewiesen sind: Öffnungszeiten, Formulare, Bekanntmachungen und Ansprechpartner. Davon darf niemand ausgeschlossen werden.

Was das Gesetz verlangt

Grundlage ist eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2016, die Richtlinie (EU) 2016/2102. Sie verpflichtet öffentliche Stellen, ihre Websites und Apps barrierefrei zu gestalten. In Deutschland ist das für Bundesbehörden im Behindertengleichstellungsgesetz (BGG) und in der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) geregelt. Für Städte und Gemeinden gelten die Gesetze des jeweiligen Bundeslandes.

In Rheinland-Pfalz sind das das Landesinklusionsgesetz und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung Rheinland-Pfalz (BITV RP). Kommunen zählen dort zu den öffentlichen Stellen und sind damit verpflichtet. In den anderen Bundesländern gibt es vergleichbare Regelungen.

Die Fristen sind längst abgelaufen: Seit dem 23. September 2020 müssen alle Websites öffentlicher Stellen die Anforderungen erfüllen, seit dem 23. Juni 2021 auch deren Apps.

Drei Dinge, die jede kommunale Website haben muss

  1. Eine Erklärung zur Barrierefreiheit. Darin steht, wie weit die Website barrierefrei ist, welche Teile es noch nicht sind und aus welchem Grund.
  2. Eine Möglichkeit für Rückmeldungen. Nutzerinnen und Nutzer müssen Barrieren melden und Inhalte in zugänglicher Form anfragen können, zum Beispiel über ein Formular oder eine E-Mail-Adresse.
  3. Einen Hinweis auf das Durchsetzungsverfahren. Wird eine Beschwerde nicht zufriedenstellend beantwortet, müssen Betroffene erfahren, an welche Stelle sie sich wenden können.

Als technischer Maßstab gilt die europäische Norm EN 301 549. Für Websites verweist sie auf die international anerkannten Richtlinien für barrierefreie Webinhalte, kurz WCAG 2.1, in der Stufe AA.

Was heißt das in der Praxis?

Die WCAG enthalten viele Einzelkriterien. Die wichtigsten lassen sich aber gut verständlich erklären:

  1. Ausreichende Kontraste. Text muss sich deutlich vom Hintergrund abheben. Hellgraue Schrift auf weißem Grund ist schwer lesbar. Für normalen Text verlangen die WCAG ein Kontrastverhältnis von mindestens 4,5 zu 1.
  2. Bedienung ohne Maus. Menüs, Formulare und Schaltflächen müssen sich auch mit der Tastatur erreichen lassen, und man muss jederzeit sehen, wo man sich gerade befindet.
  3. Saubere Gliederung. Vorleseprogramme, sogenannte Screenreader, orientieren sich an Überschriften. Jede Seite braucht deshalb eine klare Struktur aus Haupt- und Zwischenüberschriften.
  4. Bildbeschreibungen. Bilder, die eine Information transportieren, brauchen einen kurzen Alternativtext. So erfahren blinde Menschen, was darauf zu sehen ist.
  5. Vergrößerbarkeit. Die Seite muss sich auf das Doppelte vergrößern lassen, ohne dass Inhalte verloren gehen oder sich überlagern.
  6. Verständliche Formulare. Jedes Eingabefeld braucht eine sichtbare Beschriftung, und Fehlermeldungen müssen erklären, was nicht stimmt.
  7. Zugängliche Dokumente. Auch PDFs wie Satzungen, Merkblätter oder Anträge müssen barrierefrei sein. Eingescannte Dokumente, die nur aus einem Bild bestehen, kann ein Vorleseprogramm nicht lesen.
  8. Untertitel für Videos. Aufgezeichnete Videos mit Ton brauchen Untertitel.

So gehen Sie am besten vor

  1. Bestandsaufnahme: Wo steht Ihre Website heute? Automatische Prüfprogramme finden bereits viele Fehler, etwa zu schwache Kontraste oder fehlende Bildbeschreibungen. Manches lässt sich aber nur von Hand prüfen, zum Beispiel die Bedienung mit der Tastatur.
  2. Von Anfang an richtig bauen: Viele Barrieren entstehen schon bei Gestaltung und technischem Aufbau. Bei einer neuen Website oder einer Überarbeitung sollte Barrierefreiheit deshalb von Beginn an eingeplant werden. Das ist deutlich günstiger als nachträgliches Reparieren.
  3. Die Redaktion schulen: Auch eine gut gebaute Website wird wieder unzugänglich, wenn neue Inhalte ohne Überschriften, ohne Bildbeschreibungen oder als eingescannte PDFs eingestellt werden. Wer Inhalte pflegt, sollte die Grundregeln kennen.
  4. Erklärung und Rückmeldemöglichkeit einrichten: Die Erklärung zur Barrierefreiheit wird veröffentlicht und regelmäßig aktualisiert.

Übrigens: Auch Unternehmen sind zunehmend betroffen

Seit dem 28. Juni 2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es betrifft Unternehmen, die über ihre Website oder App Verträge mit Verbrauchern abschließen, zum Beispiel Onlineshops oder Buchungsportale. Reine Informationswebsites ohne Kauf- oder Buchungsfunktion fallen nicht darunter. Für Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz gibt es bei Dienstleistungen eine Ausnahme.

Wie wir Kommunen unterstützen

Bei kommunalen Websites mit WordPress und Divi 5 planen wir Barrierefreiheit von Beginn an ein: bei Farben und Kontrasten, beim Aufbau der Seiten und bei Formularen.

Sie möchten wissen, wie barrierefrei die Website Ihrer Gemeinde heute ist? Sprechen Sie uns an, das Erstgespräch ist kostenlos.

Hinweis: Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils geltenden Gesetze und Verordnungen.

Über den Autor. Armin Zimmer entwickelt zuverlässige, barrierearme WordPress-Websites mit Divi 5 für Mittelstand, Kommunen und Vereine. Mehr über uns

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Unverbindlich und persönlich, für Handwerk, Mittelstand, Vereine und Institutionen in ganz Deutschland.